Kloster Marienthal

Legende eines frommen Hirten - Basis für die Entstehung des Marienthaler Klosters

Der Überlieferung nach begann die Entwicklung der heutigen Wallfahrtsstätte im Landkreis Altenkirchen schon 1423. Damals soll ein Hirte aus Glaubensgründen ein Bildnis geschnitzt haben, welches die Muttergottes mit Jesus Christus auf dem Schoß zeigt. Dieses Bild mit Namen „Schmerzhafte Muttergottes“ postierte er im Wiesental unter einer Eiche und suchte es regelmäßig auf, um seinen starken Glauben zu bekunden. Dem Vorbild eiferten viele Gläubige nach und es kam zu mehreren Gnadenerweisungen. Sie waren auch der Anlass für die Betitelung der Schnitzerei als „Gnadenbild“.

1460 folgte daraufhin die Errichtung einer Kapelle an dem heiligen Platz und Mönche aus dem Zisterzienserkloster übernahmen die Betreuung. Leider konnte das ursprüngliche Kunstwerk des Hirten wegen seiner Zeit im Freien nicht erhalten bleiben, sodass der Kapelle im selben Jahr ein neues Gnadenbild gestiftet wurde. Es misst 105 cm, erinnert an das Original und ist der Stilrichtung der „Kölner Schule“ zugetan. Die heute geläufige Bezeichnung als Marienthal erhielt die Kapelle wiederum 1489 von Johann Spender, dem Weihbischof aus Köln.

1494 wurde aus Platzgründen eine dreischiffige Kirche in gotischer Bauweise errichtet, die die Kapelle ersetzen sollte und bis 1503 stetig erweitert wurde. Sie diente unzähligen Wallfahrten, bis die Grafen von Sayn zwischen 1561 und 1605 sämtliche solcher Pilgerreisen verboten. Grund dafür war die protestantische Glaubensausrichtung. Erst Graf Salentin Ernst von Sayn-Hachenburg brachte 1664 den katholischen Glauben zurück und ließ 1666 das Marienthaler Kloster gründen, da ihm die Kirche eine Ausnahmegenehmigung für die Ehe mit einer Protestantin erteilt hatte. Von 1703 bis 1756 fanden unter der Obhut der Franziskanermönche mehrere Neuerungen statt. So wurde aus dem einstigen Fachwerkgebäude ein stabiler Bruchsteinbau.

1803 folgte die Säkularisierung des Klostergebäudes, welches 1836 versteigert und 1853 an das Erzbistum in Köln gestiftet wurde. 1892 nahmen die Franziskanermönche ihre Tätigkeit allerdings wieder auf und betreuten die heilige Einrichtung bis 1974. Dabei kam es zu der Aufbereitung des Gnadenbilds 1911, das 1969 in einer Seitenkapelle seinen Platz fand.

Mittlerweile gibt es nur noch den östlichen Trakt der ursprünglichen Kirche und das ehemalige Klostergebäude ist zu einer kirchlichen Bildungsstätte geworden. Das Interesse der Gläubigen und Touristen hat aber weiterhin Bestand, weshalb sich der Wallfahrtsort jährlich über viele Besucher freut. Sie kommen nicht allein wegen des Bauwerks, sondern auch aufgrund des Marienthaler Kreuzwegs.